Ein Flüchtling, ein echtes Flugzeug, Homer Simpson und die Heiligen Drei Könige … kann sowas überhaupt gut gehen?

 Vorab: es kann! Und wie!
Die berühmte Oper von Jonathan Dove hatte im Prinzregententheater in München eine mehr als würdige Bühne. Die Handlung eines gestrandeten Flüchtlings an einem Flughafen und dessen Begegnung mit weiteren Personen, die aufgrund gestrichener Flüge am Airport übernachten müssen oder – im Falle des Flughafenpersonals –
einfach ihrem Job mehr oder weniger ernsthaft nachgehen, ist aktueller denn je und meisterhaft in Szene gesetzt. Regisseur Balasz Kovalik gab den einzelnen Charakteren eine völlige Überzeichnung – übertrieben, überspielt, aber nicht lächerlich. Und genau dort liegt die Kunst. Unterstütz wurden Sie durch das grandiose Bühnenbild von Hermann Feuchter (wer bitte hat denn die Eier ein echtes Flugzeug auf die Bühne zu stellen, obwohl die schmalste Tür im Haus 2,5m breit ist?), welches reduziert, aber gekonnt die Sänger in Szene setzt. Letztere hatten dank Angelika Höckners Gespür, nicht nur eine im besten Sinne völlig überzogene, überfarbene Präsenz zu haben, sondern zugleich mit gekonnt gewählter Kostümierung (man nehme Homer Simpson, oder auch den Pink Panther) ihren Charakter laut schreiend nach außen zu tragen.

 

Ein Festival für die Sinne also – mächtig, präsent, voller Wucht und englischem Humor. Wie sah es denn mit der musikalischen Unterstützung aus? Ok, diese Formulierung ist provokativ untertrieben, denn was wäre eine Oper ohne Orchester und Gesang? Hier aber können wir es kurz machen: Ulf Schirmer, der die musikalische Leitung hat, präsentierte sich und sein Münchner Rundfunkorchester in Bestform: es war einfach Weltklasse. Die Sängerinnen und Sänger, allesamt MasterstudentInnen der Theaterakademie August Everding, waren sicher und leidenschaftlich-lustvoll dabei, auch wenn in der einen oder anderen Höhe noch etwas Präsenz fehlte. Das hat uns ehrlich aber nicht weiter gestört, denn uns hat die Gesamtstimmigkeit der vermeintlichen Gegensätze von klassischer Oper und avantgardistischer Bühne zutiefst beeindruckt. (Was dieses Thema angeht hatten wir in Bayreuth beim Fliegenden Holländer so unsere Probleme…)
Hatten wir schon erwähnt, dass auch ein übergroßes Stück Pizza vorkam? Nein? Nicht schade: wir drücken euch die Daumen, dass ihr noch eine der raren Karten bekommen könnt – Hurry up! – damit wir uns gemeinsam über deren Geschmacksrichtung unterhalten können!
Hier noch ein paar Fotos der exklusiven Vorpremieren-Bühnenführung, der Vorstellung selbst und ein paar vom Haus selbst.
Fazit:
Was soll man sagen: es war der Hammer! Oper at it’s best: jung, frisch, handwerklich großartig. Genial!